Deichlauf in Dangast


Endlich hab ich mich mal wieder aufgerafft. Freitag ein wenig früher Feierabend gemacht und nach der Arbeit nur schnell nach Hause gefahren, Laufklamotten eingepackt, losgefahren und rauf auf die Autobahn nach Dangast.

Dangast liegt von mir zuhause ca. ein halbe Stunde Autofahrt entfernt. Der Dangaster Deichlauf ist eher eine kleine gemütliche Veranstaltung, keine 200 Teilnehmer am Hauptlauf über 10km, quer durch den Kurort und über die Deiche des Jadebusen. Der Termin an einem Freitagabend lässt einem auch noch freien Gestaltungsfreiraum für den Rest des Wochenendes.

Eine Mitfahrgelegenheit musste ich wegen meiner notorischen Voranmeldungsunlust ausschlagen – ich muss mir ja spätestens um 17:30Uhr noch eine Startnummer besorgen, das ist aber problemlos und schnell erledigt.

Die Wartezeit dann bis zm Start überbrücke ich dann mit ein wenig Rumlatschen, Telefonieren und Rumkucken. Mit meiner kleinen Minolta knipps ich noch ein paar Bilder. Zum Wattwandern und Schlickrutschen hätte ich zwar wegen der Ebbe ausreichend Gelegenheit gehabt, aber das hab ich dann doch gelassen, irgendwie steigt die Anspannung vor dem Wettkampf. Stattdessen schaue ich mir lieber noch mal das Zielgelände an. Neben dem Dangaster Freizeitbad führt der Zielkanal steil den Deich hinunter auf eine Wiese, wo auch gerade die Siegerehrung der Kinderläufe über 800m vollzogen wird.

Kurz darauf ist dann auch schon der Start des 5km-Laufs. Wegen der geringen Läuferanzahl sehr gemütlich, kein Gedränge, der Starter zählt von fünf runter, eine Schiffhupe ertönt und das Feld setzt sich in Bewegung.

Kurz hatte ich ja mit dem Gedanken gespielt, mich für den 5er anzumelden. Nach den Ergebnissen der Vorjahre hätte ich da durchaus um eine vordere Platzierung mitlaufen können, aber ein 10er ist für eine Standortbestimmung der momentanen Form wohl besser geeignet und darum gehts mir ja schließlich hier. Meine Bestzeit über 10km datiert noch vor Joriks Geburt aus dem Jahre 2005 und steht bei 42:22. Netto waren es sogar 8 Sekunden weniger, aber das ist ja schließlich mein persönliches Pech gewesen, dass ich mich damals so blöd weit entfernt von der Startlinie aufgestellt hatte.

Aber dieses Jahr war ich laufmäßig schon ein wenig fleißig, den Hamburg-Marathon hatte ich trotz einer ausklingenden Erkältung noch recht gut hinter mich gebracht, danach hatte es mich zwar vollkommen zerrissen, ich lag einige Tage mit heftigstem Fieber im Bett und hatte die Erkältung meines Lebens, aber so allmählich war ich in den letzten beiden Wochen wieder in den Tritt gekommen. Als Ziel formulierte ich dann für mich zumindest an die 42 heranzulaufen. Getapert hatte ich für heute überhaupt nicht, bloß einen Tag Laufpause hatte ich mir am Donnerstag gegönnt.

Ich beschließe, mit allem unter 43 Minuten einfach zufrieden zu sein. Auch wegen des doch recht heftigen Windes, der des öfteren ziemlich heftig bläst . Naja… was hab ich erwartet. Ich bin hier an der Küste.

Auch die Strecke soll, wie mir mitlerweile eintrudelnde Laufbekannte, die hier schon mal gelaufen sind, nicht optimal zu laufen sein. Einige Male müsste man so einen Deich auch hochlaufen…

Beim Einlaufen treff ich dann auch noch OEHL, der ob seiner Achillessehnenprobleme ein wenig am Hadern ist und auch nur eine Zeit knapp unter 42 anstrebt. Ich konter mit meinen Problemen an der rechten Ferse, die von unten ziemlich druckempfindlich ist – beim Laufen merk ich zum Glück nicht so viel davon.

Im Teehaus dann noch ein wenig  Wasser lassen, ein zwei Steigerungen auf der Startgerade, die vom Strand ein wenig bergauf in den Ort verläuft und dann wird es auch Zeit sich in das Starterfeld zu begeben. Angenehm, bei solch kleinen Läufen. Es gibt kein Gedränge, kein Hauen und Stechen um die ersten Startreihen – gemütlich halt.

Selbst Ted schafft es noch vor dem Abhupen des Läuferfelds in die Startaufstellung reinzukommen. Einige Erläuternungen der Verantwortlichen zur Streckenführung, wieder das Runterzählen von fünf, wieder die Schiffshupe und ab gehts. Und ich endlich mal wieder bei einem schnellen Lauf dabei.

Mein letzter Wettkampf war der Marathon und da gerät man ja nicht so richtig in einen Geschwindigkeitsrausch. Die Sandkruger Schleife Anfang des Jahres war auch mit sehr angezogener Handbremse und im Oktober letzten Jahres der Herbstlauf war ja auch eher Gekrampfe als schneller Wettkampf.

An sich wollten OEHL und ich ja zusammen laufen aber ich renne natürlich gleich hinter Ted her – und der ist normalerweise 4 Minuten schneller als ich.

Dann laufe ich sogar neben Ted her, das ist immer noch der, der normalerweise viel schneller als ich ist, und schau dann doch mal auf meine Uhr, die mir eine lustige Pace von ungefähr 3:50 anzeigt.

Zeit also, sich einzubremsen…

Tempogefühl, wo bist du geblieben….

OEHL schließt mitterlweile auch wieder auf mich auf, setzt sich aber gleich ein paar Meter weiter vorne ab.

Die Strecke führt auf den ersten Kilometern nach Westen unten am Deich entlang – und liegt voll im Wind. Windschatten will mir hier aber keiner geben. Der eine, der zumindest von der Statur dazu geeignet wäre, läuft zu unrhythmisch und U., die ich von einigen Läufen aus Oldenburg kenne, sowie der kleine Mann kurz vor mir, sind auf Grund ihres Körperbaus dafür einfach auch nicht geeignet. Die sind im Gegensatz zu mir mit Läuferfiguren gesegnet.

Nach dreiandhalb Kilometern dann die Spitzkehre, einmal über den Deich rüber (ächz) und dann auf der Meerseite schön windgeschützt (na prima, jetzt wo es Rückenwind gegeben hätte) wieder zurück in den Ort.

Viel passiert nicht auf der Strecke. Die Abstände zwischen den oben schon erwähnten Personen wird mal größer, mal kleiner, man muss nochmal auf den Deich rauf (ächz) und wieder runter, rennt am Sielhafen vorbei und dann zum Dangaster Kurhaus rauf (ächz!), wo man normalerweise Rhabarberkuchen isst – kurzer Einschub: Der Rhabarberkuchen in Dangaster Kurhaus ist Pflicht und gehört zu den X Sachen, die ein Mann getan haben muss, zumindest dann, wenn man nicht gerade einen Wettkampf läuft – dann quer auf irgendwelchen Wald-und Wiesenpfaden durch den Ort, bis man auf parkähnlichen Wegen und kleinen Straßen wieder rauf auf den Deich (ächz) geschickt wird.  Der Typ, der von seiner Statur dafür prädestiniert dazu gewesen wäre, mir Wndschutz zu geben, klebt mittlerweile an meinen Hacken und stöhnt schon ziemlich heftig -selbst wenn wir mal keinen Deich hochlaufen. OEHL seh ich nur noch ab und zu mal, Ted ist seit Kilometer eins sowieso nicht mehr zu sehen. An U. hab ich mich dagegen mittlerweile auf drei Meter angenähert, der kleinere Läufer ist ein wenig weiter vor uns.

Die wenigen Zuschauer an der Strecke klatschen freundlich Beifall während wir an ihnen vorbei und weiter Richtung Campinplatz rennen. Die Anfeuerung, die an sich eher U. gilt, „Hey, die erste Frau! Super Mädel!!“ nehm ich dankend einfach mal mit und schließe dafür langsam näher an sie auf. Hinter mir höre ich nichts mehr, den einen hätten wir also mittlerweile abgehängt.

Am Strand entlang geht es jetzt Richtung Zielgelände. In die Spitzkehre, die zum Deich wieder hinaufführt (ächz!) laufe ich vor U. ein. Der „Weg“ führt jetzt über 200 m am Deichhang entlang und ist eher eine Wiese als ordenlich zu belaufende Wettkampfstrecke, nach links auch noch ziemlich abschüssig und lenkt einen fast automatisch gegen einen Graben – toll, wenn man jetzt noch koordiniert laufen könnte. Aber mir gehts jetzt an sich nur noch darum nicht zu stolpern, nicht im Graben zu landen.

Wieder eine Spitzkehre, den Deich wieder rauf (ächz!!), gleich wieder runter, am Fahrradständer des Schwimmbads vorbei wieder auf den Deich rauf (ächz!!!). Der Jungfraumarathon ist nichts dagegen…

Oben auf dem Deich geht es nun nur noch einige 100m geradeaus. Die Anfeuerungsrufe für die erste Frau setzen jetzt erst kurz nach meinem Vorbeilaufen ein, die holt mich jetzt nicht mehr ein, eine letzte scharfe Kurve und endlich runter in das Ziel. Der Ansager im Ziel ruft „Und mit der Startnummer 272 Oliver… äähhh… Sch..ääääh….“ – da scheint man meine Sauklaue bei der Anmeldung wieder nicht richtig graphologosch analysiert zu haben. Ein ihn verbesserndes „Scheuch“ zu brüllen schaff ich dann aber doch nicht mehr.

Die Uhr stoppe ich bei 42:21. Die sub42 hab ich also deutlich verpasst, aber zumindest ist es eine neue „offizielle“ Bestzeit geworden.

Im Zielgelände heißt es jetzt erstmal Wasser fassen und mit seinen Ergebnisse angeben. Ted hat seine Bestzeit von vor einer Woche nochmal 20 Sekunden verbessert und OEHL ist letztendlich ganz entgegen unserer Absprache fast 50 Sekunden vor mir ins Ziel gelaufen.

Nach dem Auslaufen hängen die vorläufigen Ergebnisse auch schon aus. Ich bin Gesamt 25. geworden, siebter meiner Alterklasse. Ordentlich…

Bloß meinen Namen haben sie nicht richtig geschrieben. Das nächste Mal meld ich mich wieder elektronisch an… oder ich lerne Schönschrift.

Track des Wettkampfs

Track des Einlaufens

Track des Auslaufens

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3 Kommentare zu „Deichlauf in Dangast“

  1. Hallo Olli!

    Klingen da leichte Vorwürfe mit ob der Tatsache,dass ich mich nach dem Schnellstart abgesetzt habe??
    OEHL schreibt sich übrigens korrekt nur OEHL – kein andere Schreibweise wird von mir akzeptiert 😉
    Ansonsten beneidwe ich dich wegen der Ausführlichkeit deines Berichtes über den Deichlauf. Da freue ich mich doch schon auf Jever!
    OEHL

  2. Quatsch, nö… aber erst jammern und dann losheizen 😉
    Das mit dem OEHL hab ich korrigíert, möchte dann aber im Gegensatz darauf hinweisen, dass ich verstärkten Wert darauf lege mit *einem* L geschrieben zu werden… Nicht „Olli“, sondern „Oli“ 😉

    Was läufst du in Jever? 10 Meilen oder 10 Kilometer?

    Ciao Oli

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