Warum laufen?


Wartburg

Knappe fünf Wochen bin ich nicht gelaufen. Die Gründe dafür waren vielfältig. Angefangen von zwei jeweils einwöchigen Urlauben, in denen ich wenigstens ein wenig Fahrrad gefahren bin, über eine kleinere Erkältung, die ich erst auskurieren wollte und letztendlich ein ziemlicher Arbeitsstress über zwei Wochen hinweg, der mir die Kraft zum Wieder-Aufraffen entzog.

Vielleicht war es auch mal ganz gut, den Knochen ein wenig Zeit zur Regeneration zu gönnen.

Nun gehts aber langsam wieder los – und wie immer, wenn man nur ein paar Tagen dem Dasein einer Couchpotatoe gefrönt hat, ist dieser Anfang echt ernüchternd 🙂 Wie kann man bloß sooooo langsam sein.

Aber egal, Ich hab wieder ein paar Läufe hinter mich gebracht und wie es zu erwarten war, läuft es mit jedem Kilometer wieder ein wenig lockerer. Vorläufige Krönung war dann aber der Lauf, den ich am Freitag gemacht habe.

Am Freitag mogen war ich in der Nähe von Eisenach untergebracht worden. Die Kollegen wollten sich um 8 Uhr zum Frühstück treffen und ich wollte irgendwie noch einen Lauf zeitlich unterbringen. Die einzeige Möglichkeit dazu war dann halt vor dem Frühstück. Dazu muss man sagen, dass ich es hasse, morgens zu laufen. Aber gerade beim Wiedereinstieg ins regelmäßige Laufen muss man sich auch mal neuen Herausforderungen stellen. Wenn man denn schon in der Nähe von Eisenach logiert, bietet sich für einen Lauf naturgemäß nur ein Ziel an: Hoch zur Wartburg!

Und so klingelte folgerichtig um 6 Uhr morgens mein Wecker. Als notorischer Viel-Zeit-Braucher-um-morgens-einen-Fuß-neben-das-Bett-zu-stellen war ich dann erst einige Weckintervalle später um kurz nach halb sieben auf dem Platz vor dem Hotel. Mit Strinlampe, denn es war noch dunkel.

Die Stirnlampe brauchte ich dann auch, denn den ersten Kilometer lief ich auf einer recht stark befahrenen Bundesstraße, von der ich naiv angenommen hatte, dass da irgendein Seitenstreifen für fahrradfahrer oder Fußgänger existieren würde. Tat es aber nicht… Für Läufer scheinen Autofahrer in der Gegend auch nicht auszuweichen, so war das schon eine spannende Geschichte…

Irgendwann, stur nach meinem GPS-Handy laufend, dem ich vorgeschrieben hatte, mich auf einer „Fußgänger-Strecke“ zur Wartburg zu lotsen, war ich dann aber in ruhigeren Gefilden. Und dann wurde das so richtig schön. Die erwachende Stadt unter meinen Füßen, langsam dahintrabend den Sonnenaufgang genießen. Dann der Aufsteig zur Wartburg. Der Puls aufgrund der nicht zu unterschätzenden Steigung auch mal im richtig hohen Bereich (endlich mal wieder), kondensierender Atem, leichter Nebel, immer mehr wärmende Sonnenstrahlen, ab und zu ein schöner Blick auf das Ziel, dem man sich stetig näherte und dann… endlich oben und da!

Kurzes Ausschnaufen und erstmal die Aussicht genießen. Ein paar Minuten hab ich mich dann da oben aufgehalten. Ich musste mich ja nicht beeilen. Die Stadt zu meinen Füßen war noch fast komplett im Morgennebel verschwunden und bis zum Frühstück hatte ich noch reichlich Zeit.

Gerade in solchen Momenten weiß ich, warum ich so gerne laufe. Es sind diese Erlebnisse, die man ganz alleine für sich erfahren muss, die man nicht teilen kann, die man auch nicht mitteilen kann, die man nur erlaufen kann.

Diese Ruhe, die man während dieser herzerfrischend stumpf-stupiden Tätigkeit, wie Laufen ja nun mal ist, empfinden kann, diese Befriedigung, wenn man irgendwo angekommen ist, ein sich selbst gesetztes Ziel erreicht hat. Die Kraft, die man daraus schöpfen kann.

Das hat mir die letzten Wochen echt gefehlt.

Und für dies braucht es so wenig. Nur ein wenig Disziplin beim Trainieren, ein Paar Laufschuhe und das wars. Keine Abängigkeit von Trainingspartnern, irgendwelchen Studios, teurem Equipment, Örtlichkeiten und was weiß ich. Es fällt einem auch schwerer irgendetwas als Ausrede zu finden. Der einzige Grund warum man nicht läuft, liegt in einem selber.

Nur schade, dass ich keine „richtige“ Kamera dabei hatte. Irgendwann muss ich mir doch noch mal eine kleine Jogginkamera zulegen, die man für solche Gelegenheiten immer dabei haben kann.

Beim Rückweg hab ich dann noch einen kleinen Umweg gemacht. Ich wollte mir das Opelgelände noch mal anschauen, das war aber recht unspektakulär. Auf jeden Fall hatte ich mir dann das Frühstück nach knappen 16km redlich verdient.

Lauflog

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2 Kommentare zu „Warum laufen?“

  1. grins…ähnlich geht es mir auch…und das Wort Couchpotatoe habe ich gerade heute auch geschrieben.

    Viel Glück beim Laufen….

  2. Sehr schöner Eintrag mit Erkenntnissen, die man sich manchmal, im schnöden Laufalltag, wieder in Erinnerung rufen muss.
    Und alle Achtung, ich kenne den Weg – wir sind da mit dem Kinderwagen hochgeschoben. Mein Puls war grenzwertig, allein durch gehend schieben 🙂
    Aber es ist wirklich eindrucksvoll, dort oben. Ich liebe solche geschichtsträchtigen Orte.
    Gruß von
    Manu

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