Zenit Helios 44M-6


Das Helios 44M Objektiv ist ein echter Russe. Das Standardobjektiv für ungefähr alles, was an russischen Kleinbildspiegelreflexen auf den Markt kam. Mit 58mm Brennweite und einer nicht ganz so hohen Lichtstärke von f/2, mit M42 Objektivgewinde – also an fast alles, was momentan im SLR oder DSLR Markt existiert, adaptierbar (außer Nikons, die haben meines Wissens nach ein zu großes Auflagemnaß, sodass da nur ein Adapter mit Linse in Frage kommt).

Interessant an dem Objektiv ist zuerst natürlich mal der Preis. Für ca. 10€  gebraucht aus der Bucht oder für nur ein wenig mehr neu aus Russland, kann man kaum was falsch machen, auch wenn den russichen Objektiven eine recht große Serienstreuung nachgesagt werden soll.

Zudem ist es wohl ein Nachbau des Carl Zeiss Biotars 58mm f/2 – es gibt schlimmeres, was man über ein Objektiv sagen kann.

Haptisch ist das mir vorliegende Objektiv gar nicht mal so schlecht. Das verwendete Plastik wirkt stabil, recht viel Metall scheint auch drin verbaut zu sein, der Fokussierweg ist, wie bei manuellen Objetven üblich, ziemlich lang und die Blenden rasten satt ein. Leider hat das 44M-6 zwar eine Springblende, aber keine Schalter, der die wieder ausstellt. Bei Adaptern ist man ja auf die Arbeitsblende angewiesen.

Die Schärfe von dem Objektiv ist ordentlich. Ich habe als Vergleich mal mein Minolta AF50mm f/1.4 herangezogen, da ist das Minolta bei Blende f/2 schon einen Tacken schärfer (gerade in den Bildecken sieht man das deutlich)  an einer Crop-Kamera kann sich das aber auch schon wieder relativieren.

In diesem Artikel soll es auch gar nicht um die Bildschärfe gehen. Die Schärfe ist ja eh nur ein Qualtätsmerkmal eines Objektivs.

Also… Versuchsaufbau. Sony Alpha 900, ein stabiles Gitzo-Stativ dadrunter, in Richtung auf den Weihnachsbaum gedreht und jeweils das Helios und das Minolta davor geschnallt und auf ca. 50cm fokussiert, ergibt folgendes.

Sony Alpha 900, Minolta AF 50mm f/1.4 bei ISO 200, Blende f/2 und 1/250

Sony Alpha 900, Zenit Helios 44M-6 bei ISO 200, Blende f/2 und 1/200

Dadrunter jetzt das selbe/ähnliche Motiv (geringfüig andere Brennweite!) mit dem Zenit.

Obwohl ich bei der Helios Variante schon eine ein wenig längere Belichtungszeit gewählt hatte, musste ich in Lightroom nochmals eine halbe Blende mehr belichten, um beide Bilder gleich hell zu bekommen. Es scheint, dass die Offenblende beim Zenit vielleicht doch ein wenig kleiner ist… Die Bilder sind übrigens bis auf das Angleichen der Helligkeit durch die Nullstellung des Lightroom-Rawconverters gelaufen.

Auf den ersten Blick sieht man vielleicht auf den beiden Bilder keinen großen Unterschied. Aber die Farben sind bei der Minolta Variante deutlich klarer und kräftiger, das Bild hat automatisch mehr Kontrast – auch in den Details. Das sind aber alles Sachen, die man mit EBV zur Not auch noch im Maßen korrigieren oder verschlimmbessern  könnte.

Als zweites folgt jetzt mal en Crop des Bildes unter dem Vogelschnabel.

Als erstes wieder das 50mm Minolta. Das sieht alles ein wenig unruhig aus, Viele kleine Lichtreflexe auf den Tannenbaumnadeln treiben da aber jedes Objektiv Bokeh-mäßig in den Wahnsinn, ich hab da auch schon viel schlimmeres gesehen. Wenn man so ein Foto macht, wo gleich in der Nähe der Schärfenebene Licht, Kontraste und Reflexe in diesem Maße auftreten, lieber noch ein wenig mehr abblenden… oder bei vorhandenem Kleingeld ein Noktilux davorschrauben.

Das hier ist jetzt das Zenit Objektiv. Das sieht ein wenig glatter aus. Ggerade eben auch dadurch, dass das Bild insgesamt ein wenig flauer ist, wirkt auch das Bokeh nicht ganz so unruhig. Das interesanteste ist allerdings der helle Fleck am unteren Bildrand! Der ist nämlich (im Gegensatz zum Minolta) wie eine Ellipse geformt, eine typische Biotar-Eigenschaft, der das sogenannte „swirlig Bokeh“ ermöglicht. Wenn man sich das Gesamtbild weiter oben noch mal anschaut, sieht man bei genauerem Hinsehen vielleicht, dass alle Bokehflecken  um das Bildzentrum zu rotieren scheinen.

Hier jetzt zwei Crops aus dem oberen rechten Bildteil. Als erstes wieder das 50mm Minolta

und hier das Helios

Da gefällt mir eindeutig das Minolta besser! Obwohl es kräftiger und kontrastreicher ist, wirken die Übergänge weicher und glatter.

Das Zenit Objektiv ist also gar nicht mal so schlecht. Die Schärfe ist selbst bei Offenblende in Ordnung, Farbdarstellung und Kontrast leiden schon ein wenig, aber das Bokeh ist so schlecht nicht. Für Cropkameras ist das eine prima Objektivbrennweite – wenn man auf solche Sachen, wie AF und Vollautomatikmodus verzichten kann.

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1 Kommentar zu „Zenit Helios 44M-6“

  1. Ich hab garnicht gemerkt, das da überhaupt Plastik verbaut wurde 😉
    Schöne Beispielbilder, fangen meiner Meinung nach ganz gut ein, was das Objektiv so besonders macht. Ich kanns irgendwie schwer beschreiben, aber vor allem grüne Dinge werden herrlich abgebildet!

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